Bahnhof Lichtenau Ulm Teil 2

Das Eisenbahndenkmal von Lichtenau

Als im Sommer 2012 die Ortsvorsteherin von Ulm, Frau Christa Baumann den 1. Vorsitzenden wegen einer geplanten Hinweistafel für den alten Bahnhof in Lichtenau anfragte, war die Zusage zur Unterstützung natürlich klar. Bei einem ersten gemeinsamen Treffen wurden verschiedene Gestaltungsideen besprochen und auch einige wieder verworfen. Nach dem einige Wochen später der endgültige Entwurf der Hinweistafel ausgearbeitet war, wurde vom 1. Vorsitzenden Thomas Kohler die Idee eines Denkmal zur MEG in den Raum gestellt mit der Bitte an die Ortsvorsteherin, die Machbarkeit und Umsetzung erstmal „politisch“ und finanziell zu prüfen.
Im September 2012 kam dann die Einladung in die entscheidende Ortschaftsratsitzung bei der der Antrag des Modellclubs zum Bau eines Eisenbahndenkmals einstimmig durch gewunken wurde.
Für den Modellclub begann jetzt die eigentliche Arbeit. Der 1. Vorsitzende ging auf die Suche nach passenden Rillenschienen und einem Meterspur-Radsatz.
Die Schienen waren relativ schnell über den TSNV in Karlsruhe organisiert und konnten im Dezember abgeholt werden. Leider hatte die Baufirma, die die alten Schienen beiseite legen sollte, dies nicht ganz richtig verstanden  und entsorgte das ganze Altschienenmaterial komplett. So stand man wieder mit leeren Händen da. Auch die Radsatz - Suche gestaltete sich etwas schwieriger. Mehrere Museumsbahnen und Verkehrsbetriebe mit Meterspurnetz wurden angefragt, leider alle ohne Erfolg. Langsam wurde die Zeit knapp...!
Auch die Freunde der Selfkantbahn konnten uns diesmal nicht weiterhelfen, sie brauchen die Meterspurradsätze alle noch selber. Trotzdem bekamen wir von dort schon mal einige Tipps zum Bau und Aussehen eines solchen Denkmals.
In der Schweiz konnte inzwischen ein Radsatz aufgefunden werden, allerdings wird selbiger noch bis mindestens 2014/15 unter einem Güterwagen gebraucht, also auch wieder ohne Erfolg...!
Inzwischen war es Weihnachten geworden und man hatte noch nichts besorgen können. Gleich in der ersten Januarwoche wurde kräftig herumtelefoniert. Über gute Beziehung unseres „Vereinsausflug - Busfahrer“ Peter Schmidt zu den Verkehrsbetrieben
Rhein - Neckar (rnv) bekam der 1. Vorsitzende Mitte Januar 2013 einen Anruf der zuständigen Stelle des rnv. Dort hatte man mehrere alte Düwag - Straßenbahnwagen GT6 abgestellt, die könnte man ausschlachten oder auch komplett holen. Es ging ja aber nur um die Achsen, die den Modellclub interessierten, eine komplette Straßenbahn brauchte man nicht...!

DüwagStraßenbahn

Nach einigen Telefonaten und Mails war dies auch geklärt, aus der Straßenbahn wurde „nur“ ein komplettes Drehgestell, das jetzt zur Verfügung stand. Es war zwar nicht der erwünschte Speichenradsatz in Meterspur, aber besser als nichts. Doch eine Frage war diesbezüglich noch nicht geklärt, die Sache des Transportes von Ludwigshafen nach Lichtenau. Hier half die Ortsvorsteherin mit ihren Beziehungen. Die in Lichtenau-Ulm ansässige Stahlbaufirma Frass half mit ihrem LKW dankenswerterweise aus.
Am 12. April 2013 konnte der 1. Vorsitzende Thomas Kohler und Mitinhaber Alexander Frass (Stahlbau Frass) im Betriebshof Ludwigshafen der rnv das Drehgestell entgegen nehmen bzw. aufladen und nach Lichtenau befördern.

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(Eigentlich kann man schon sagen, dass seit 1981 kein Eisenbahndrehgestell in Lichtenau mehr war, also was besonderes war es schon...)
Das Drehgestell landete in der alten Werkhalle der Firma Frass in Ulm. Dort hatte die ganze Atmosphäre mit viel Phantasie etwas von historischer Eisenbahnwerkstatt.

DGSUlmFrass01

Halt!  Da war doch noch was...! Die Schienen waren noch nicht organisiert.
Gehen wir wieder zurück in den kalten Januar 2013 : Ein Anruf eines Vereinsmitglieds brachte die traurige Gewissheit, dass der alte MEG - Lokschuppen in Auenheim in den nächsten Januar - Tagen abgerissen werden sollte. Also nichts wie hin, um für die Kollegen der Selfkantbahn noch zu dokumentieren, vermessen  und einige Teile zu retten. Das wird später aber eine andere Geschichte...!

Auf der Baustelle vom Lokschuppen traf ich zufällig auf den neuen Eigentümer des Lokschuppens und den Bauführer der dort arbeitenden Baufirma. Nach kurzen und intensiven Verhandlungen mit den beiden Personen konnten noch innerhalb einer Woche Teile entnommen werden, ebenso versprach mir der Bauführer, die Schienenstücke herauszutrennen und für uns beiseite zu legen. Wenige Tage später der erlösende Anruf, die Schienen sind ausgebaut und liegen bereit. Also nichts wie nach Auenheim und die Original Schienen der MEG aus dem Jahre 1927 aufgeladen und in Lichtenau eingelagert. Damit sind wenigstens die Schienen aus dem Originalbestand der MEG gerettet! Selbige wurden im Februar und März 2013 gereinigt, entrostet und grundiert sowie einbaufertig vorbereitet und im April dem Bauhof der Stadt Lichtenau übergeben.

Doch zurück zu unserem Drehgestell: Relativ problemlos gestaltetet sich der Ausbau der Achsen. Dank der guten Arbeitsbedingungen mit einem 3 to - Hallenkran konnte das Drehgestell problemlos angehoben werden und die Radsätze fielen fast von alleine heraus. Nach einigen Arbeitsdiensten wurde eine Achse, gereinigt, entrostet, anschließend entfettet und komplett grundiert. Nach der Trocknung konnte einige Tage später der Decklack aufgebracht werden. So vorbereitet wartete der Radsatz noch einige Zeit bis er ebenfalls an den Bauhof übergeben werden konnte. Im Bauhof der Stadt Lichtenau wurde unter der bewährten Leitung von Bauhofchef und Vereinsmitglied Hans-Karl Burger die Schienen auf Meterspurabstand geschweißt und Halterungen für den Radsatz angebracht. Anfang Juni wurden die Erdarbeiten am Gelände des ehemaligen Bahnhofs Lichtenau - Ulm begonnen. Die 2 Meter langen Gleise wurden vorbildgetreu in das Kopfsteinpflaster eingelassen und einbetoniert. Der Radsatz wurde danach in die Halterung eingesetzt und dann verschweißt. Danach wurden die verschweißten Stellen nochmals mit Farbe nachbehandelt und bis zur Übergabe am 30. Juni 2013 mit Folie zugedeckt und versteckt.

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Pünktlich zum 90. Geburtstag der MEG (30.06.1923) wurde  morgens um 11 Uhr am ehemaligen Bahnhofsplatz Lichtenau - Ulm das Denkmal an die Stadt Lichtenau übergeben. Für die passende musikalische Untermalung sorgte Kabarettist und SWR 4 -Moderator Gerd Birsner aus Diersheim mit seinen „Enteköpfer“- Songs. Die Ansprachen hielten der 1. Vorsitzende des Modellclub 1:87 Thomas Kohler, die Ortsvorsteherin von Ulm, Frau Christa Baumann und Bürgermeister Christian Greilach. Danach wurde das Denkmal enthüllt. Neben einem kleinen Umtrunk, denn der Ortschaftsrat Ulm stiftete, zeigte der Modellclub noch das 1:87 Modell des alten Bahnhofs Lichtenau - Ulm.
Mit diesem Denkmal hat der Modellclub in Mittelbaden eine weitere Erinnerung an die ehemalige Schmalspurbahn Kehl – Lichtenau – Bühl geschaffen. Lediglich in Iffezheim erinnert eine Gedenktafel an die Bahnlinie Schwarzach – Rastatt. Hoffen wir, dass die MEG durch das Denkmal und die Erinnerungstafel auch bei der jüngeren Generation auf Interesse stößt und die rund 90 Jahre Lichtenauer Eisenbahngeschichte auch zukünftig nicht vergessen wird.
Zum Abschluss dieser Aktion „MEG - Denkmal in Lichtenau“ möchten wir uns bei allen Teilnehmern und Aktiven dieser Idee bedanken. Ohne die Unterstützung hätten manche Dinge nicht so problemlos geklappt.
Unser Dank geht an:

  • Ortsvorsteherin Christa Baumann für die gute Vorarbeit
  • Dem Ortschaftsrat Ulm
  • Der Stadtverwaltung Lichtenau und Bürgermeister Christian Greilach
  • Dem Bauhof Lichtenau unter Leitung von Hans-Karl Burger
  • Der Stahlbaufirma Frass mit den Brüdern Alexander und Markus
  • Dem rnv-Betriebshof Ludwigshafen mit den Abteilungen FZ4 (Werkstattdienstleistungen), RC1 (Rechnungswesen und Controlling – Technische Bereiche) sowie FZ13 (Betriebswerkstatt Ludwigshafen)und FZ15 (Technische Bearbeitung Strab)
  • Unserem Busfahrer Peter Schmidt für die Kontakte...
  • Martin Kilb von der befreundeten Selfkantbahn
  • Allen Vereinsmitgliedern, die was gemacht haben...
  • ...und meiner Familie für die notwendige Freizeit und Unterstützung

Autor
T. Kohler
1. Vorsitzender
Modellclub 1:87 Lichtenau e.V.


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U. Friedmann 2015, letzte Aktualisierung 18.03.2017